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Individuell und gemeinsam - Neues Bildungskonzept verabschiedet

Wolfsburg. Nach ausführlicher und zum Teil kontroverser Diskussion verabschiedete der außerordentliche niedersächsische SPD-Landesparteitag in Wolfsburg sein bildungspolitisches Konzept. Längere gemeinsame Beschulung und bessere individuelle Förderung sind dabei die Hauptmerkmale.

Schon gleich bei den Grußworten machte Generalsekretär Hubertus Heil deutlich, worum es den Sozialdemokraten geht: nicht nur kritisieren, sondern konkret benennen, „was wir besser machen wollen“. Und den bildungspolitischen Grundgedanken der Niedersachsen-SPD beschrieb er mit dem Vergleich, „nur wo der Breitensport gefördert wird, bilden sich auch Spitzenleistungen heraus“. Hier schloss SPD-Landesvorsitzender Garrelt Duin (MdB) an. Gerade in Niedersachsen sei es immer noch entscheidend für die Schullaufbahn von Kindern, aus welcher sozialen Schicht sie stammten. Mit der neuen bildungspolitischen Offensive gehe es der Partei sowohl um die bestmögliche Förderung junger Menschen als auch um die Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Alle Kinder müssten von der frühkindlichen Bildung profitieren und dies solle über den Einstieg in den gebührenfreien Kindergarten erreicht werden. „Das kostet Geld, aber wir haben ganz konkrete Finanzierungsvorschläge gemacht,“ betonte Duin. Die beiden Hauptbotschaften der schulischen Förderung seien: längere gemeinsame Schulzeit und individuelle Förderung.

Wolfgang Jüttner als Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und angehender Spitzenkandidat bei der nächsten Landtagswahl strich heraus: „Die SPD ist seit ihrer Gründung die Bildungsreformpartei.“ Schon früheste Sozialdemokraten hätten erkannt, dass Bildung der Schlüssel zu fast allen Lebensbereichen sei. „Wir haben kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Handlungsproblem.“ Alle, auch neueste Studien zeigten, dass es in Niedersachsen und in Deutschland insgesamt einen eklatanten Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischem Werdegang gebe. Zur Bekämpfung dieser Situation sei es nicht nur notwendig, mehr Geld aufzuwenden, sondern die Mittel sinnvoller und gerechter einzusetzen.

Gastredner Kurt Beck beglückwünschte als neuer Parteivorsitzender die niedersächsische SPD zu ihrem bildungspolitischen Programm-Entwurf. Er empfahl den Vergleich mit aktuellen Aussagen von Konservativen zu diesem Thema. „Da hätte sich schon meine Großmutter über deren Vorgestrigkeit beschwert,“ betonte er. Beck setzte ganz deutlich auf verstärkte Ganztagsangebote in der Schule und unterstrich, die Lebens-Chancen junger Menschen dürften nicht davon abhängen, ob die Eltern ihnen bei den Französisch-Hausaufgaben helfen könnten oder ersatzweise über einen großen Geldbeutel verfügten, um sich professioneller Nachhilfe zu bedienen.

Wolfgang Wulf, bildungspolitischer Sprecher der Niedersachsen-SPD und maßgeblicher Motor beim Entwurf des bildungspolitischen Programms warb sehr dafür, die Einführung der bis zur 10. Klasse gemeinsamen Schule nicht verpflichtend einzuführen. „Wir wollen das durch Mitnahme und Überzeugung der Eltern erreichen,“ betonte Wulf, der darauf hinwies, dass schließlich auch die SPD selbst das umfangreiche Papier in einem offenen Diskussionsprozess entwickelt habe. In gleiche Richtung warb auch Wolfgang Jüttner: „Wir leben in einer Zeit politischer Teilhabe.“ Deshalb könne man dieses Projekt auch nur mit entsprechender Überzeugungsarbeit bei den Eltern umsetzen. Bei dieser Auffassung gab es jedoch durchaus auch gegenteilige Positionen im Parteitagsplenum. Dennoch erbrachte die Schlussabstimmung ein ermutigendes und überzeugendes Ergebnis: Ohne Nein-Stimme und ohne Enthaltung wurde das Bildungsprogramm durch den Parteitag einstimmig verabschiedet. (rh)

Wolfgang Wulf freut sich über den Fußball

Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft erhielt Wolfgang Wulf zum Dank für
geleistete Arbeit von Garrelt Duin einen handsignierten Ball. (Foto: Hein)

Kurt Beck mit Fußball

Auch Kurt Beck nahm den Ball auf und warb für das
niedersächsische Bildungskonzept. (Foto: Hein)

 

 
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