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Der erste Tag im Mai - seine Geschichte

Es ist bezeichnend, dass der 5. Monat unseres heutigen Kalenders ausgerechnet nach dem altrömischen Fruchtbarkeitsgott „Mains“ benannt ist. Das aus dem Lateinischen stammende Wort „Mai“ deutet aber auch auf die altrömische Göttin „Maja“ als Namensgeberin für den 31 Tage langen Monat hin. Nach dem römischen Kalender ist er übrigens nicht der 5. sondern der 3. Monat des Jahres. Altdeutsch wurde der Mai mit „Weidemond“ bezeichnet, im Laufe der Zeit verfälschte sich dieser Begriff und es entwickelte sich aus ihm der „Wonnemond“ und schließlich schwärmte man vom „Wonnemonat Mai“.

Der 1. Tag im Mai ist, wenn man den christlichen Himmelfahrtstag und das Pfingstfest, so diese Festtage denn überhaupt in den Mai fallen, ausklammert, wohl der wichtigste der Maitage. Das ist dem Beschluss des Pariser Sozialistenkongresses vom Juli 1889 zu verdanken. Er erhob ihn ab dem 1. Mai 1890 zum Weltfeiertag der Arbeit. Dieser Tag sollte auch ein Kampftag u. a. für die Durchsetzung des Acht-Stunden-Arbeitstages sein. Es bedurfte jedoch vieler, zumeist langjähriger Aktivitäten, bis dieses Ziel in Europa erreicht wurde und der 1. Mai als Tag der Arbeit in vielen Ländern der Welt durchgesetzt werden konnte.
Ein „deutscher Mai“ wurde ab 1890 gefeiert. Jahrelang hatten die deutschen Arbeiter und ihre Gewerkschaften gefordert, den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag zu erklären. Er war ihnen immer wieder verweigert worden.

Ausgerechnet der schärfste Gegner, der Faschismus, erhob den Tag 1933 zum Tag der „Nationalen Arbeit“. Wie mag es in den Vätern des Maigedankens ausgesehen haben? Dennoch riefen die (noch) freien Gewerkschaften 1933 in vielen Städten Deutschlands zur Teilnahme an den Maifeiern auf und das auch, obwohl Nazi-Organisationen bereits im Februar/März desselben Jahres die Gewerkschaftshäuser „besetzt“ hatten, wobei Vandalismus und Verhaftungen von Gewerkschaftsfunktionären einher gingen. Damalige Erklärung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes: „Wir beteiligen uns an der Maifeier im vollen Bewusstsein unserer Pionierdienste für den Maigedanken, für die Ehrung der schaffenden Arbeit und für die wohlberechtigte Eingliederung der Arbeiterschaft in den Staat.“

Seit Beendigung der unheiligen Hitlerdiktatur gehört der 1. Mai wieder dem Volk, den Arbeitnehmern allein; ja, nach dem Fall der Mauer, auch den Menschen im Ostteil unserer Republik.

--Und dann gibt es da auch noch die Geschichte der Mainelke. Sie stammt aus der Zeit, in der die (bismarckschen) Sozialistengesetze noch galten, mit Versammlungsverboten für „sozialistisch Umtriebige“. Hierin eingereiht wurden u.a. die organisierte Arbeiterschaft und die Sozialdemokraten. Den 1. Mai, obwohl noch kein anerkannter Feiertag, beging man trotzdem. Die Menschen trafen sich zu Ausflügen und kehrten dabei auch in Gartenlokale ein. Da Fahnen nicht mitgeführt werden durften, steckte man sich eine rote Nelke ins Knopfloch. Sie war ab dem Zeitpunkt das Zeichen der Gleichgesinnten.

Seit dem 1. Mai 1890 hat sich vieles verändert. Die Beschäftigten und ihre Gewerkschaften haben mehr erreicht, als die Teilnehmer des Pariser Sozialistenkongresses in ihren kühnsten Träumen zu hoffen wagten. Diese fundamentalen Errungenschaften, wie Kündigungsschutz, Mitbestimmung, Begrenzung der täglichen sowie der Lebensarbeitszeit u. a. wurden bzw. sollen beschnitten werden. Der Weg zurück ist angesagt. Begründung: Globalisierung, Konkurrenzfähigkeit erhalten, Geldknappheit. Entlassungen sind an der Tagesordnung. Gleichgültigkeit oder gewerkschaftspolitische Abstinenz ist da fehl am Platze. Nur gemeinsames Engagement in fester Geschlossenheit kann weitere, für die betroffenen Beschäftigten schmerzhafte Eingriffe verhindern. Der 1. Mai sollte deshalb von jedem Arbeitnehmer der Tag sein, an dem er durch Teilnahme an den Gewerkschaftsveranstaltungen zeigt, dass er die erkämpften Errungenschaften nicht leichtfertig aufs Spiel setzt.

Günther Hoffmann


Zur Person:

Der Norderneyer Günther Hoffmann ist pensionierter Polizeibeamter und lebt mit seiner Ehefrau in Ostrhauderfehn. Er ist publizistisch tätig.

Hoffmann hatte in der Gewerkschaft der Polizei, der er über 40 Jahre angehört, mehrere Funktionen im Landesbezirk Nds. und der Bezirksgruppe Hannover-Stadt inne, u.a. war er 10 Jahre deren 1. Vorsitzender und zeitgleich auch Vorsitzender des Personalrates bei der Polizeidirektion Hannover. Hoffmann kann auf ein umfangreiches sozialpolitisches Wirken zurückblicken mit einer durchaus positiven Bilanz. Daneben war er über ein Jahrzehnt ehrenamtlicher Richter am Disziplinarhof in Lüneburg.

Etliche geschichtliche Rückblicke und Kurzgeschichten aus Hoffmanns Feder sind in der Vergangenheit immer wieder einmal in der Norderneyer Badezeitung veröffentlicht worden. Hoffmann veranstaltet auch Lesungen aus seinem eigenen Repertoire. Am 10. Mai z.B. ist er in Hannover, im Kirchröder Kultur Café zu hören.

 

 
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